Bekanntmachung über die Einleitung des Verfahrens zur Änderung und Fortschreibung des Flächenentwicklungsplans (FEP) gemäß § 8 (WindSeeG)
Stellungnahme des Zusammenfassung:
– AquaVentus begrüßt, dass es noch hinreichend verbleibende Flächen in den Zonen 4 und 5 gibt, die die Perspektive für bis zu 10 GW Elektrolyse-leistung auf See möglich scheinen lassen. Die langen Planungshorizonte erfordern hier fachplanerische Flexibilität – nicht notwendige Festlegungen sollten daher vermieden werden.
– Darüber hinaus begrüßen wir, dass das Konzept für eine nationale und europäische Sammelpipeline, die sowohl Wasserstoffpotentiale aus SEN-Gebieten sowie aus Nordseeanrainerstaaten einbindet, weiter konkretisiert und die Trassierung durch die Grenzkorridore flexibilisiert wurde.
– Mit der Flächenentwicklungsplanung sollte sichergestellt werden, dass der Anschluss des bereits ausgewiesenen SEN-1-Gebiets sowie weiterer möglicher SEN-Gebiete an die Wasserstoff-Sammelpipeline möglichst effizient und zeitnah planbar ermöglicht werden kann.
1. Lange Planungshorizonte erfordern fachplanerische Flexibilität zur bestmöglichen Erreichung der Kapazitätsausbau- und Klimaschutzziele
Der AquaVentus Förderverein unterstreicht, dass zur Erreichung der Klimaschutzziele und im Sinne der Energiesicherheit die begrenzten Flächenpotentiale der deutschen AWZ in Nord- und Ostsee möglichst effizient genutzt werden müssen. Insofern ist es richtig, dass der Flächenentwicklungsplan die für den Windenergieausbau auf See verfügbare Meeresfläche konsequent ausnutzt. Gleichzeitig ist aber der anvisierte Planungshorizont des FEP bis mindestens ins Jahr 2037 ausgesprochen lang und unterliegt dementsprechend erheblichen technologischen, ökonomischen und regulatorischen Unsicherheiten. Zukünftige Entwicklungen können nicht sicher schon heute berücksichtigt und antizipiert werden. Aus diesem Grund führen vergleichbare Planungsdokumente - wie beispielsweise der Netzentwicklungsplan - Szenarien zur Entwicklung der zu treffenden Annahmen an, um im Zeitverlauf möglichst flexibel reagieren zu können.
Verschiedene Studien, wie die von AFRY1 oder DNV2, unterstreichen die erheblichen Vorteile des von AquaVentus verfolgten Konzeptes von bis zu 10 GW Elektrolyseleistung in den weit vom Festland entfernten Gebieten der deutschen AWZ. Die Ausbaugeschwindigkeit wird signifikant erhöht, die Investitionskosten sinken und der kritische Umwelteinfluss wird auf ein Minimum reduziert. Darüber hinaus unterstreicht die Fraunhofer IWES-Studie zu Offshore-Flächenpotentialen3, wie im Sinne des Klimaschutzes mittels Repowering oder Co-Nutzung insgesamt mehr Kapazität und auch eine höhere Flächeneffizienz erreicht werden kann. Die Nutzbarmachung dieser Vorteile stellt eine technische, ökologische und ökonomische Chance dar, dringend benötigten grünen Wasserstoff versorgungssicher und in großen Mengen Offshore zur Verfügung zu stellen, ist aber davon abhängig, dass der regulatorische Rahmen dafür entsteht. Die Spielräume im WindSeeG sollten daher genutzt werden und weitere Flächen nicht frühzeitig endgültig festgelegt werden.
Bei der Festlegung der weiteren Flächen westlich der SN 10 sollte daher das Potenzial von Offshore Wasserstoff und potenziell weiterer Flächen hinreichend berücksichtigt werden. Dieses setzt jedoch einen längeren und ergebnisoffenen Stakeholder-Dialog sowie politische Steuerung voraus. Aus Sicht von AquaVentus ist es daher entscheidend, dass das Ergebnis eines solchen Dialogs in die weitere Fachplanung mit einfließen kann, um daraus die notwendigen Festlegungen zu entwickeln.
2. Sammelpipeline AquaVentus begrüßt, dass durch die Überarbeitung des FEP die Erzeugung von Wasserstoff offshore mit anschließendem Abtransport über eine hinreichend dimensionierte Wasserstoff-Sammelpipeline ermöglicht wird. Dies eröffnet die notwendige Perspektive für die Umsetzung des AQV-Konzeptes von 10 GW Wasserstoff offshore und stellt einen wichtigen regulatorischen Meilenstein für die Initiative dar. Die Klarstellungen in Kapitel 8) sind hierfür hilfreich, aber noch nicht hinreichend. Sehr zu begrüßen ist jedoch die Flexibilisierung hinsichtlich der Nutzung der Grenzkorridore, die die Trassierung erleichtert. Es ist für uns sehr gut nachvollziehbar, dass weitere Abstimmungen mit den an die deutsche AWZ angrenzenden Nachbarstaaten erforderlich sind, um die überaus zielführende Perspektive zur Nutzung der Wasserstoff-Sammelpipeline für die europäische Vernetzung realisieren zu können.
3. Anbindung der SEN-Flächen Entsprechend den Erwägungen zur Verlegung von Stromtrassen sollte auch hinsichtlich der Anbindung der SEN-Flächen über eine Wasserstoff-Sammelpipeline vergleichbar nachgedacht werden. Es ist von ökonomisch und ökologisch herausragender Bedeutung, dass hier eine räumlich effiziente Anbindung erfolgt, die die SEN-Projekte und die maritime Umwelt möglichst entlastet. Der Schutz der maritimen Umwelt ist nicht nur aus sich heraus für AquaVentus ein zentrales Ziel, sondern zugleich ein wesentlicher Baustein für die Akzeptanz in der Gesellschaft.