Glossar
Die Begriffe und Kürzel des Offshore-Wasserstoffs, kurz erklärt.
- Abnahmevertrag
- Ein langfristiger Vertrag, mit dem ein Abnehmer feste Mengen zu festen Bedingungen kauft, englisch Offtake Agreement. Ohne solche Verträge finanzieren Banken Erzeugungsanlagen in der Regel nicht.
- Abregelung
- Das Herunterfahren einer Erzeugungsanlage, obwohl Wind oder Sonne verfügbar wären, weil das Netz die Leistung nicht aufnehmen kann. Elektrolyse kann diese Energie stattdessen in Wasserstoff binden.
- Alkalische Elektrolyse
- Das älteste industriell genutzte Elektrolyseverfahren, mit einer Kalilauge als Elektrolyt. Sie ist robust und vergleichsweise günstig, folgt Lastwechseln aber langsamer als die PEM-Elektrolyse.
- Ammoniak
- Eine Verbindung aus Wasserstoff und Stickstoff, die sich leichter verflüssigen und über weite Strecken verschiffen lässt als Wasserstoff selbst. Sie wird als Transportform und als Grundstoff der Industrie diskutiert.
- AquaCampus
- Ein 3 Quadratkilometer großes Forschungsareal wenige Seemeilen vor Helgoland, markiert durch acht gelbe Bojen, in Wassertiefen bis 45 Meter. Forschungseinrichtungen und Unternehmen erproben hier Anlagen über und unter Wasser.
- AquaDuctus
- Die geplante Wasserstoff-Pipeline von der deutschen Nordsee an Land, rund 400 Kilometer auf See und 100 Kilometer an Land. Sie ist das einzige für die deutsche Nordsee vorgesehene Pipeline-Projekt im Wasserstoff-Kernnetz; Betreiber ist die Gascade Gastransport GmbH.
- Das AquaVentus-Projekt zur Dekarbonisierung der Schifffahrt. Rund 90 Prozent des Welthandels laufen über den Seeweg; das Projekt entwickelt und erprobt wasserstoffbasierte Antriebe und Versorgungskonzepte für Schiffe.
- AquaPrimus
- Der Demonstrator für Offshore-Elektrolyse mit einem Elektrolyseur von 1 bis 5 Megawatt. Er testet erstmals die gesamte Kette der Wasserstofferzeugung auf See, von der Seewasseraufbereitung bis zur Einspeisung.
- Arbeitsgruppe
- Ein Fachkreis von Mitgliedern zu einem Schlüsselthema, bei AquaVentus zu Technologie, Regulatorik, Kommunikation und Internationalem. Hier entstehen gemeinsame Positionen und die Vorarbeit für Stellungnahmen.
- Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ)
- Das Meeresgebiet jenseits des Küstenmeers, in dem ein Staat wirtschaftliche Nutzungsrechte hat, etwa für Windparks oder Rohrleitungen. Die deutschen Offshore-Wasserstoffflächen in der Nordsee liegen in der AWZ.
- BSH
- Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. Die Behörde erstellt den Flächenentwicklungsplan für die deutschen Meeresgebiete und führt Zulassungsverfahren für Offshore-Vorhaben.
- Bundesnetzagentur
- Regulierungsbehörde für Strom, Gas, Telekommunikation, Post und Bahn. Für den Wasserstoffbereich genehmigt sie unter anderem das Wasserstoff-Kernnetz.
- Do-Tank
- Die Selbstbeschreibung von AquaVentus in Abgrenzung zum Think-Tank: Es geht nicht nur um Analysen, sondern um Projekte, die gebaut werden. Die Arbeit findet in Arbeitsgruppen statt, deren Ergebnisse in Stellungnahmen und Vorhaben einfließen.
- Elektrolyse
- Verfahren, das Wasser mit elektrischem Strom in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Die Anlage, die das leistet, heißt Elektrolyseur; ihre Größe wird in Megawatt oder Gigawatt elektrischer Anschlussleistung angegeben.
- Elektrolyseur
- Die technische Anlage, in der die Elektrolyse abläuft. Bei Offshore-Anwendungen steht sie auf einer Plattform auf See und umfasst zusätzlich Seewasseraufbereitung, Kompression und Speicherung.
- Energieinsel
- Eine künstlich aufgeschüttete oder aufgestellte Insel, die den Strom mehrerer Windparks sammelt und weiterverteilt. Studien untersuchen sie als Alternative oder Ergänzung zu einzelnen Plattformen, auch für Elektrolyse.
- Europäische Wasserstoffbank
- Ein Instrument der EU-Kommission, das erneuerbaren Wasserstoff über Auktionen mit einer Festprämie je Kilogramm fördert. Sie ist neben nationalen Programmen die zentrale europäische Finanzierungsquelle für Erzeugungsprojekte.
- European Hydrogen Backbone
- Initiative europäischer Fernleitungsnetzbetreiber für ein grenzüberschreitendes Wasserstoffnetz. Über den Backbone soll AquaDuctus mit den Niederlanden, Belgien, Dänemark, dem Vereinigten Königreich und Norwegen verbunden werden.
- Flächenentwicklungsplan (FEP)
- Planungsinstrument des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie, das festlegt, welche Flächen in der deutschen Nord- und Ostsee wann für welche Nutzung ausgeschrieben werden. Der FEP weist unter anderem die Fläche SEN-1 für Offshore-Wasserstoff aus.
- Förderverein e.V.
- Die Rechtsform, in der AquaVentus organisiert ist: ein eingetragener Verein mit Sitz auf Helgoland und Geschäftsstelle in Berlin. Mitglieder sind Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Organisationen; der Verein selbst baut keine Anlagen, sondern bündelt die Arbeit seiner Mitglieder.
- Gigawatt (GW)
- Einheit der Leistung, tausend Megawatt. Das AquaVentus-Ziel von 10 Gigawatt bezeichnet die Offshore-Leistung in der Nordsee, aus der jährlich rund 1 Million Tonnen grüner Wasserstoff entstehen sollen.
- Grüner Wasserstoff
- Wasserstoff, der durch Elektrolyse von Wasser mit Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt wird. Bei seiner Nutzung entsteht kein Kohlendioxid. Andere Farbbezeichnungen stehen für andere Herstellungswege, etwa grauer Wasserstoff aus Erdgas.
- H2Global
- Ein staatlich getragenes Instrument, das Wasserstoff über eine Doppelauktion beschafft: teuer eingekauft bei Erzeugern, günstiger weiterverkauft an Abnehmer, den Unterschied trägt der Staat. Es soll den Markthochlauf anschieben, solange Angebot und Nachfrage preislich nicht zusammenfinden.
- Herkunftsnachweis
- Ein Zertifikat, das belegt, mit welchem Strom und unter welchen Bedingungen ein Energieträger erzeugt wurde. Für Wasserstoff entscheidet der Nachweis darüber, ob er als erneuerbar verkauft und auf Klimaziele angerechnet werden kann.
- Investitions- und Betriebskosten
- Investitionskosten fallen einmalig für den Bau an, Betriebskosten laufend für Betrieb und Wartung, englisch CAPEX und OPEX. Bei Offshore-Anlagen ist der Anteil der Betriebskosten hoch, weil jede Wartung eine Fahrt auf See bedeutet.
- IPCEI
- Important Project of Common European Interest. Ein Verfahren der EU, mit dem Mitgliedstaaten gemeinsam bedeutsame Vorhaben mit staatlichen Mitteln fördern dürfen. AquaDuctus ist IPCEI-notifiziert.
- Kavernenspeicher
- Ein künstlicher Hohlraum in einer Salzschicht im Untergrund, in dem große Gasmengen gespeichert werden. Für Wasserstoff sind Kavernen die derzeit aussichtsreichste Möglichkeit, jahreszeitliche Schwankungen auszugleichen.
- Klimaschutzverträge
- Förderverträge, die einem Unternehmen die Differenz zwischen den Kosten einer klimafreundlichen Produktion und dem Marktpreis über Jahre ausgleichen, auch Carbon Contracts for Difference genannt. Sie sollen Investitionen ermöglichen, die sich sonst noch nicht rechnen.
- Kombiniertes Anschlusskonzept
- Anbindung eines Offshore-Windparks über zwei Wege gleichzeitig: Stromkabel und Wasserstoffpipeline. Je nach Strompreis und Bedarf kann der Park Strom einspeisen oder Wasserstoff erzeugen. Die gesetzliche Verankerung solcher Konzepte ist die zentrale regulatorische Forderung von AquaVentus.
- Konverterplattform
- Eine Plattform auf See, die den Strom eines Windparks für den Transport an Land umwandelt, klassisch von Wechsel- auf Gleichstrom. Bei Offshore-Wasserstoff tritt an ihre Stelle oder neben sie eine Plattform mit Elektrolyseur.
- Markthochlauf
- Die Phase, in der ein neuer Energieträger von einzelnen Vorhaben zu einem funktionierenden Markt mit Angebot, Nachfrage und Infrastruktur wächst. Für Wasserstoff hängt sie daran, dass Erzeugung, Transport und Abnahme zeitlich zusammenpassen.
- Nationale Wasserstoffstrategie
- Das Strategiedokument der Bundesregierung für Erzeugung, Import und Nutzung von Wasserstoff. Die Fortschreibung von 2023 nennt für 2030 eine Elektrolyseleistung von mindestens 10 Gigawatt in Deutschland.
- Netzentwicklungsplan (NEP)
- Der Plan der Übertragungsnetzbetreiber, welche Stromleitungen in den kommenden Jahren gebaut werden müssen; die Bundesnetzagentur bestätigt ihn. Für Offshore-Wasserstoff ist entscheidend, ob Pipeline-Anbindungen darin gleichrangig mit Kabeln berücksichtigt werden.
- Offshore-Elektrolyse
- Elektrolyse, die auf See stattfindet, auf einer Plattform nahe am Windpark. Der erzeugte Wasserstoff wird per Pipeline an Land transportiert, statt den Windstrom über ein Seekabel zu leiten.
- PCI
- Project of Common Interest. Ein EU-Status für grenzüberschreitende Energieinfrastruktur, der schnellere Genehmigungsverfahren und Zugang zu EU-Finanzierung ermöglicht. AquaDuctus hat diesen Status.
- PEM-Elektrolyse
- Elektrolyse mit einer Protonenaustauschmembran. Sie reagiert schnell auf schwankende Stromzufuhr und passt deshalb gut zu Windstrom, benötigt aber Edelmetalle als Katalysator.
- RED III
- Die dritte Fassung der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien. Sie legt verbindliche Quoten für erneuerbaren Wasserstoff in Industrie und Verkehr fest und schafft damit die Nachfrage, auf die Erzeugungsprojekte angewiesen sind.
- RFNBO
- Renewable Fuel of Non-Biological Origin, im deutschen Recht erneuerbarer Kraftstoff nicht biogenen Ursprungs. Der Begriff bezeichnet Wasserstoff und daraus hergestellte Stoffe, die die EU-Kriterien für erneuerbare Erzeugung erfüllen und deshalb auf Klimaziele angerechnet werden dürfen.
- Rückverstromung
- Die Umwandlung von gespeichertem Wasserstoff zurück in Strom, in einem Kraftwerk oder einer Brennstoffzelle. Sie dient dazu, Zeiten ohne Wind und Sonne zu überbrücken, verliert dabei aber einen Teil der Energie.
- Sauerstoff
- Das zweite Produkt der Elektrolyse, das mengenmäßig anfällt und heute meist ungenutzt bleibt. Für Offshore-Anlagen wird untersucht, ob er sich verwerten lässt, etwa in der Industrie oder für die Sauerstoffversorgung von Gewässern.
- Seewasseraufbereitung
- Die Entsalzung und Reinigung von Meerwasser, bevor es in den Elektrolyseur gelangt. Elektrolyse braucht sehr reines Wasser; auf See ist die Aufbereitung deshalb Teil jeder Anlage.
- Sektorenkopplung
- Die gemeinsame Planung und Verknüpfung von Energiesektoren, hier vor allem Strom und Wasserstoff. Offshore bedeutet Sektorenkopplung, dass ein Windpark sowohl über ein Stromkabel als auch über eine Wasserstoffpipeline angebunden wird.
- SEN-1
- Die im Flächenentwicklungsplan ausgewiesene Fläche in der deutschen Nordsee, auf der erstmals großskalig Wasserstoff auf See erzeugt werden soll. Vorgesehen sind 1.000 Megawatt Elektrolyseleistung; der Wasserstoff soll über AquaDuctus abtransportiert werden.
- Spitzenkappung
- Das planmäßige Abregeln von Erzeugungsspitzen, damit eine kleinere Netzanbindung ausreicht. Statt die Spitzen zu verwerfen, können sie in Wasserstoff umgewandelt werden.
- Stellungnahme
- Die schriftliche Antwort auf einen Gesetzes- oder Planentwurf im Rahmen einer offiziellen Konsultation. AquaVentus nutzt sie, um Anforderungen der Offshore-Wasserstoffwirtschaft in Verfahren wie den Flächenentwicklungsplan einzubringen.
- Stromabnahmevertrag (PPA)
- Ein direkter Liefervertrag zwischen Stromerzeuger und Abnehmer über Menge, Zeitraum und Preis, englisch Power Purchase Agreement. Für Elektrolyse ist er der übliche Weg, langfristig Grünstrom zu einem kalkulierbaren Preis zu sichern.
- Systemkosten
- Die Kosten des Gesamtsystems aus Erzeugung, Netzen und Speichern, nicht die einer einzelnen Anlage. Studien für AquaVentus rechnen mit ihnen, weil Offshore-Sektorenkopplung ihren Vorteil erst im Systemblick zeigt.
- Überbauung
- Der Anschluss von mehr Windleistung an eine Netzanbindung, als diese nominell aufnehmen kann, auch Overplanting genannt. Weil Windparks selten mit voller Leistung laufen, steigt so die Auslastung der Leitung; die selteneren Spitzen werden abgeregelt oder in Wasserstoff umgewandelt.
- Verdichtung
- Das Komprimieren des erzeugten Wasserstoffs auf den Druck, den die Pipeline verlangt. Der Verdichter gehört zur Offshore-Plattform und verbraucht selbst einen Teil des erzeugten Energiegehalts.
- Volllaststunden
- Die gedachte Zahl von Stunden im Jahr, in denen eine Anlage mit voller Leistung liefern würde, wenn man ihre Jahresmenge darauf umrechnet. Offshore-Windparks in der Nordsee erreichen deutlich mehr als Anlagen an Land, was Elektrolyse dort wirtschaftlicher macht.
- Wasserstoff-Kernnetz
- Das von der Bundesnetzagentur genehmigte Startnetz für den Wasserstofftransport in Deutschland mit einer Gesamtlänge von 9.040 Kilometern. Die AquaDuctus-Pipeline ist seit Oktober 2024 Teil dieses Netzes.
- Wasserstoffkosten (LCOH)
- Die auf ein Kilogramm gerechneten Gesamtkosten der Erzeugung über die Lebensdauer einer Anlage, englisch Levelized Cost of Hydrogen. Die Kennzahl macht Projekte vergleichbar, weil sie Investition, Betrieb und Strompreis zusammenfasst.
- WindSeeG
- Das Windenergie-auf-See-Gesetz regelt Flächenvergabe, Ausschreibungen und Netzanbindung für Offshore-Windenergie in Deutschland. Ob und wie Offshore-Wasserstoff darin vorkommt, entscheidet über die Realisierbarkeit von Offshore-Elektrolyse.
- Wirkungsgrad
- Der Anteil der eingesetzten Energie, der im erzeugten Wasserstoff wiederzufinden ist. Er entscheidet mit über die Wasserstoffkosten, weil der Strom der größte Kostenblock der Elektrolyse ist.
- Zeitliche und geografische Korrelation
- EU-Vorgaben, nach denen der eingesetzte Grünstrom im selben Zeitraum und in derselben Region erzeugt worden sein muss wie der Wasserstoff. Offshore-Elektrolyse direkt am Windpark erfüllt beide Bedingungen von Natur aus.
- Zentral voruntersuchte Fläche
- Eine Fläche, die das BSH vor der Ausschreibung selbst untersucht, etwa auf Windverhältnisse und Baugrund. Bieter erhalten die Ergebnisse und müssen sie nicht doppelt erheben; bei nicht zentral voruntersuchten Flächen liegt diese Arbeit beim Bieter.
- Zusätzlichkeit
- Die EU-Anforderung, dass der Strom für erneuerbaren Wasserstoff aus zusätzlich errichteten Anlagen stammt und nicht aus bestehenden, bereits geförderten. Zusammen mit zeitlicher und geografischer Korrelation bestimmt sie, ob Wasserstoff als RFNBO gilt.