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Positionspapier: Deutsch-britische Wasserstoffpartnerschaft – Ein europäischer Impuls für Energiesouveränität und industrielle Transformation

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Die neue Bundesregierung gibt mit dem Wasserstoffbeschleunigungsgesetz ein klares Bekenntnis dazu ab, den Markthochlauf nicht nur zu wollen, sondern auch zu ermöglichen. Damit wird Deutschland seiner natürlichen Rolle gerecht, global Vorreiter beim Einsatz von Wasserstoff zu werden – so wie es auch in der Nationalen Wasserstoffstrategie hinterlegt ist. Bereits die Vorgängerregierungen haben grundlegende Weichen hierfür gestellt, wie beispielsweise den Aufbau eines Wasserstoff-Kernnetzes.

Dieses Papier möchte sich den Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit widmen, besonders der Kooperation mit dem windreichen Vereinten Königreich.

Im Rahmen der Deutsch-Britischen Wasserstoffpartnerschaft haben das Bundeswirtschaftsministerium (früher BMWK, jetzt BMWE) und das britische Department of Energy Security and Net Zero (DESNZ) kürzlich die Ergebnisse der gemeinsamen geplanten Machbarkeitsstudie über den Handel von Wasserstoff vorgestellt. Diese Studie unterstreicht das Potenzial eines grenzüberschreitenden Wasserstoffhandels zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich und legt den Grundstein für eine vertiefte europäische Zusammenarbeit im Wasserstoffsektor.

AquaVentus und seine Mitglieder sehen in dieser Partnerschaft eine einmalige Chance, die Energiewende voranzutreiben, die Energiesouveränität beider Länder zu stärken und den europäischen Kontinent wirtschaftlich zu transformieren. Das folgende Positionspapier zeigt auf, warum dieser Weg weiter beschritten werden muss.

Zusammenfassung

Die deutsch-britische Kooperation bietet einmalige Chancen für die Energiewende, die Energieresilienz beider Länder und des europäischen Kontinents. Auf Grundlage der vorgelegten umfassenden Machbarkeitsstudie sprechen wir uns für eine vertiefte europäische Zusammenarbeit aus.

Wasserstoffmarkthochlauf europäisch denken: Die Produktion und Nutzung von Wasserstoff muss europäisch gedacht werden. Die Vernetzung von Erzeugern und Abnehmern über nationale Grenzen hinweg ist essenziell für einen erfolgreichen Markthochlauf.

Sektorenkopplung konsequent weiterführen: Hybride Anschlusskonzepte, die sowohl Strom- als auch Wasserstoffnetze integrieren, schaffen die notwendige Flexibilität für zukünftige Energiebedarfe und ermöglichen eine effiziente Nutzung erneuerbarer Energien sowie einen kostengünstigen Netzausbau.

Vom nationalen Kernnetz zum European Hydrogen Backbone: Projekte wie AquaDuctus dienen als Nukleus für ein paneuropäisches Wasserstoffnetz, das die Energieinfrastruktur Europas nachhaltig prägen wird.

Politische Annäherung für gemeinsame Energiesicherheit: Die enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich im Wasserstoffsektor stärkt die politische und wirtschaftliche Bindung und fördert die europäische Energiesicherheit und - unabhängigkeit.

Durch gemeinsame Projekte zur Produktion und für die Infrastruktur von Wasserstoff können wir die bedeutenden erneuerbaren Ressourcen Großbritanniens und die strategischen Wasserstoff-Speicher- und -verbrauchskapazitäten Deutschlands nutzen, die Energieimporte im Sinne eines De-Riskings diversifizieren und die Energiesicherheit Europas stärken.

AquaVentus begrüßt ausdrücklich die Offenheit der Bundesregierung, sich bei der Unterstützung des Hochlauf des Wasserstoffmarktes nicht nur nach alternativen Quellen für den Bezug von Wasserstoff zu bemühen, sondern gleich eine tragfähige Infrastruktur für den Transport mitzudenken. Insbesondere die Partnerschaften im Nordseeraum werden von AquaVentus und seinen über 100 Mitgliedern und gemeinsamen der Vision des „Grünen Kraftwerk Nordsee“ getragen.

Deutschlands zentrale Rolle als größte Industrienation des Kontinents und zentraler Knotenpunkt des Transfers von gasförmigen Energieträgern muss es sein, die Dekarbonisierung von Schlüsselindustrien voranzutreiben: Wirtschaftlich, europäisch, technologisch machbar.

Dabei sehen wir als Initiative, die sich den Leitwerten Energie, Wertschöpfung, Versorgungssicherheit, Klimaschutz und nicht zuletzt bezahlbare Energiepreise verschrieben hat, folgende Punkte als zentrale Stellschrauben.

Energieresilienz Die aktuelle geopolitische Lage zeigt die Verletzlichkeit bestehender Energieversorgungssysteme. Eine enge deutsch-britische Kooperation im Wasserstoffbereich kann dazu beitragen, die Abhängigkeit von Energieimporten zu reduzieren und die Energiesicherheit beider Länder zu erhöhen. Durch den Aufbau einer gemeinsamen Wasserstoffinfrastruktur können Versorgungssicherheit und Preisstabilität gewährleistet werden.

Exkurs aus Studie „UK-Germany Joint Feasibility Study on the Trade of Hydrogen” mit Zitat von Seite 34 im Abschnitt „2.4 UK Export Opportunity“:

„The UK has a significant opportunity to become a major exporter of low-carbon hydrogen in the future, driven by ambitious production targets and strong European demand. The UK’s strategic geographic position and access to offshore wind resources further enhance its potential as a key future hydrogen supplier to Europe. (…) This opportunity is further bolstered by the estimated competitive nature of the UK’s Levelized Cost of Hydrogen (LCOH) (…) indicating that UK hydrogen production could be economically viable against other emerging hydrogen markets globally.“ „Furthermore, the UK’s geographical proximity to Europe enhances the cost-effectiveness of hydrogen transportation via pipeline, making its Levelised Cost of Transport (LCOT) competitive with that of other international markets, including those in the Americas, China, and Australia.“

Versorgungssicherheit: Deutschlands erwartete Importabhängigkeit (50–70 % des Wasserstoffbedarfs) kann durch UK-Exporte adressiert werden, was die Versorgung stabilisiert. Preisstabilität: Die geografische Nähe und die niedrigen LCOH/LCOT machen britischen Wasserstoff zu einer preiskompetitiven Option gegenüber globalen Märkten.

Quelle: Studie „UK-Germany Joint Feasibility Study on the Trade of Hydrogen, Seite 106 Gemeinsame Infrastruktur – Hydrogen Backbone

Eine leistungsfähige Onshore- und Offshore-Pipeline-Infrastruktur ist das Rückgrat eines funktionierenden, grenzüberschreitenden Wasserstoffmarktes zwischen Deutschland und Großbritannien. Dies ist auch ein Ergebnis der von BMWE und DESNZ beauftragten Machbarkeitsstudie [Quelle, Veröffentlichungsdatum]. Nur durch den zügigen Ausbau und die Anbindung britischer Erzeugungsstandorte an das kontinentaleuropäische Wasserstoffnetz, konkret über die Pipeline AquaDuctus, kann das Potenzial Großbritanniens als verlässlicher Exporteur von grünem Wasserstoff ausgeschöpft werden. Die Verbindung beider Energiemärkte über Pipelines stärkt die Versorgungsunabhängigkeit und -sicherheit, erhöht die Systemeffizienz durch sektorübergreifende Synergien und unterstützt maßgeblich das europäische Ziel einer dekarbonisierten Industrie. Deutschland sollte sich daher aktiv für einen gemeinsamen Energie-Dialog und konkrete Infrastrukturprojekte einsetzen, die den Aufbau eines integrierten, resilienten Wasserstoffbinnenmarktes ermöglichen.

Sektorenkopplung / Gemeinsamer europäischer Energiemarkt Die Integration von Wasserstoff in verschiedene Sektoren – von der Industrie über den Verkehr bis hin zur Wärmeversorgung – erfordert eine enge Verzahnung von Strom- und Gasinfrastrukturen. Nur durch eine gesamtsystemische Betrachtung kann die Energie aus Offshore-Wind effizient genutzt und über verschiedene Infrastrukturen verteilt werden. Besonders im Zusammenhang mit dem britischen und schottischen Offshore-Windpotenzial ist es entscheidend, den Windstrom nicht nur lokal zu verbrauchen, sondern ihn in nutzbare Energieformen wie grünen Wasserstoff zu überführen und in einen gesamteuropäischen Markt einzuspeisen.

Großbritannien verfügt über exzellente Bedingungen für Offshore-Wind – die Nordsee fungiert hier als gemeinsamer Energieraum. Um dieses Potenzial zu heben, braucht es eine grenzüberschreitende Strategie: Der Strom aus britischen Windparks kann durch Offshore-Elektrolyseanlagen in Wasserstoff umgewandelt werden, der dann über eine europäische Pipeline-Infrastruktur – etwa entlang der AquaDuctus-Route – in industrielle Zentren auf dem europäischen Festland transportiert wird. Besonders für Deutschland ergibt sich dadurch eine neue Qualität der Versorgungssicherheit und ermöglicht effektives Derisking: Als zentrale Abnehmerregion mit energieintensiven Industrien – wie der Stahl-, Chemie- oder Zementbranche – kann ein großer, verlässlicher Abnehmermarkt geschaffen werden, wenn regulatorische und infrastrukturelle Voraussetzungen geschaffen werden.

Diese strategische Ausrichtung steht in voller Übereinstimmung mit dem Papier “A renewed agenda for European Union – United Kingdom cooperation. Common Understanding” vom Mai 2025, in dem unter Punkt 22 die „grenzüberschreitende Sektorenintegration als Schlüssel zur wirtschaftlichen Skalierung des europäischen Wasserstoffmarkts“ benannt wird. Auch der dt.-britische Freundschaftsvertrag (Kensington-Vertrag) vom 17. Juli 2025 betont in Artikel 20 die Bedeutung der „gegenseitigen Ergänzung von Erzeugungskapazitäten" sowie die Notwendigkeit der gemeinsamen “Entwicklung von Infrastruktur in den Bereichen Offshore-Windenergie, Elektrizität, Wasserstoff und Kohlendioxid”. Die Verknüpfung der Sektoren über Ländergrenzen hinweg erhöht nicht nur die Systemeffizienz, sondern eröffnet neue wirtschaftliche Chancen: Unternehmen können Produktionsprozesse transformieren, während zugleich Versorgungssicherheit und Klimaschutz erreicht werden – europäisch gedacht, wirtschaftlich sinnvoll und technologisch machbar.

Gesamteuropäische Forschung Die Forschung im Bereich Wasserstoff darf nicht an nationalen Grenzen haltmachen. Wenn Europa seine Rolle als globaler Technologieführer im Bereich der erneuerbaren Energien und der Wasserstoffwirtschaft einnehmen möchte, braucht es gemeinsame Anstrengungen. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten und technischer Entwicklungen sollten in einem gesamteuropäischen Forschungspool zusammengeführt, offen zugänglich gemacht und gemeinsam weiterentwickelt werden. Nur so lassen sich Synergien heben, Innovationszyklen verkürzen und unnötige Parallelentwicklungen vermeiden.

Dazu gehört ebenso eine Neujustierung der Förderlandschaft: Forschungs- und Entwicklungsförderung sollte nicht nationalstaatlich organisiert sein, sondern europaweit koordiniert erfolgen. Projekte, die im Schulterschluss zwischen mehreren europäischen Partnern durchgeführt werden, müssen gegenüber nationalen Vorhaben bevorzugt behandelt werden.

Ebenso setzen wir uns für eine zentrale europäische Koordinationsstelle – beispielsweise in Form eines Europäischen Wasserstoffbeauftragten – ein. Diese Stelle könnte die Aktivitäten der Mitgliedstaaten strategisch abstimmen, Doppelstrukturen vermeiden und sicherstellen, dass Europa bei Schlüsseltechnologien wie Elektrolyse, Speicherung, Transport und Nutzung des Wasserstoffs gemeinsam voranschreitet.

Der gemeinsame Markt, die gemeinsame Forschung und die gemeinsame Verantwortung für den Umbau des Energiesystems – all das macht die europäische Zusammenarbeit zur Bedingung für den Erfolg.

Was wir in Deutschland leisten müssen – Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes: Die zügige Umsetzung des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes ist entscheidend für die Integration erneuerbarer Energien und den Aufbau eines europäischen Wasserstoffmarktes.

– Hybride Anschlusskonzepte im WindSeeG: Die im Koalitionsvertrag vereinbarten hybriden Anschlusskonzepte und die Aufnahme von grenzüberschreitenden Wasserstoffleitungen sollten schnellstmöglich im Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) verankert werden, um einen konsistenten Rechtsrahmen zu schaffen.

– Europäischer Flächenentwicklungsplan: Die Planung von Flächen für Offshore-Wind- und Wasserstoffprojekte sollte auf europäischer Ebene koordiniert werden, um eine optimale Nutzung der Ressourcen und eine effiziente Infrastrukturentwicklung zu gewährleisten.

AquaVentus und seine Mitgliedsorganisationen stehen bereit, die deutsch-britische Wasserstoffpartnerschaft aktiv mitzugestalten und den Aufbau einer nachhaltigen, sicheren und wettbewerbsfähigen Wasserstoffwirtschaft in Europa voranzutreiben. Wir laden alle relevanten Akteure ein, gemeinsam an dieser Vision zu arbeiten und die notwendigen Schritte für eine erfolgreiche Umsetzung zu unternehmen.

ÜBER AQUAVENTUS Die AquaVentus Initiative hat das Ziel eine Million Tonnen Grünen Wasserstoff pro Jahr aus Windenergie auf der Nordsee zu erzeugen und per Pipeline an Land zu transportieren. Mehr als 100 Unternehmen, Organisationen und Forschungsinstitute entlang der gesamten Wertschöpfungskette haben sich zusammengeschlossen, um europaweit die Rahmenbedingungen für die Installation von 10 Gigawatt Erzeugungsleistung für Grünen Wasserstoff aus Offshore-Windenergie in der Nordsee zu schaffen und die benötigte Transportinfrastruktur zu errichten. Grüner Wasserstoff ist aufgrund seiner klimaneutralen Herstellung und Speicherbarkeit der Schlüssel zur Dekarbonisierung energieintensiver Industrien, die nicht elektrifiziert werden können – und somit ein wichtiger Faktor für eine grüne Energiewende und die Energiesouveränität eines ganzen Kontinents.