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August 2026Ramboll Deutschland GmbH15 Seiten

AquaVentus Flächenstudie Zone 4 & 5 AWZ Nordsee

Offshore-H2-Eignungsranking für Windenergieflächen

10. August 2026
MXLU, ROSC, LAGN, KEBI
Ramboll Deutschland GmbH
AquaVentus Flächenstudie Zone 4 & 5 AWZ Nordsee — Offshore-H₂-Eignungsranking

Hintergrund und Zielsetzung

Mit dem Flächenentwicklungsplan 2025 (FEP 2025, BSH) wurden mit den Gebieten N-14, N-16, N-17, N-19 und N-20 erstmals Flächen westlich der Schifffahrtsroute SN10 in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Nordsee festgelegt. Es handelt sich um insgesamt ca. 2.700 km² mit einem Kapazitätspotenzial von bis zu 30,9 GW.

Parallel stellt der Netzentwicklungsplan 2037/2045 (NEP 2025, 2. Entwurf) fest, dass die Offshore-Elektrolyse mangels gesetzlichen Auftrags und regulatorischem Rahmen nicht in die Netzplanung einbezogen werden konnte. Damit besteht für Zone 4 und 5 eine doppelte regulatorische Lücke: weder eine zeitliche Reihung im FEP noch eine Berücksichtigung der Offshore-H2-Option im NEP.

Vor diesem Hintergrund untersucht diese Studie, welche der Flächen in Zone 4 und 5 für die Offshore-Wasserstoffproduktion besonders geeignet sind. Die Bewertung erfolgt anhand technischer, wirtschaftlicher und raumordnerischer Kriterien und mündet in eine Reihung der Flächen sowie in regulatorische Schlussfolgerungen.

Karte der untersuchten Windenergieflächen in Zone 4 und 5 der deutschen AWZ mit Wasserstoffpipelineanbindung
Abbildung 3: Darstellung Wasserstoffpipelineanbindung (eigene Darstellung Ramboll; Daten aus FEP 2025)

Untersuchungsgegenstand

Gegenstand der Studie sind die potenziellen Einzelflächen in den Gebieten N-14, N-16, N-17, N-19 und N-20 der deutschen AWZ der Nordsee. Insgesamt umfasst der Untersuchungsraum bis zu 21 Einzelflächen mit einer Gesamtfläche von ca. 2.700 km² und einem Kapazitätspotenzial von bis zu 30,9 GW Windenergie. Ergänzend wird die Fläche SEN-1 als Referenzanker in die Untersuchung einbezogen.

Der Inbetriebnahme-Horizont der untersuchten Flächen entspricht dem NEP-Zieljahr 2045 sowie dem FEP-Ausbaupfad 2035–2045. Die Untersuchung struktureller Ausschlusskriterien — etwa naturschutzrechtliche Belange — wird in dieser Studie nicht betrachtet, da alle im FEP aufgeführten Flächen grundsätzlich für die Nutzung von Offshore-Wasserstoff geeignet sind.

Fünf Bewertungskriterien

Die Eignungsbewertung erfolgt anhand eines multikriteriellen Bewertungsverfahrens (Multi-Criteria Decision Analysis). Jede Einzelfläche wird gegen dieselben Kriterien geprüft und je Kriterium mit einer normierten Einzelwertung auf einer Skala von 1 bis 5 Punkten versehen.

1

Systemischer Nutzen — Abgeregelte Energiemengen (Gewichtung: 25 %)

Anteil der abgeregelten Energiemengen an der potenziellen Jahresgesamtproduktion, basierend auf dem Ausbauszenario 25 in Prozent. Flächen mit hoher prognostizierter Abregelung profitieren besonders von einer Integration der Wasserstoffproduktion.

2

Systemischer Nutzen — Windenergieertrag (Gewichtung: 30 %)

Äquivalente Volllaststunden basierend auf dem Ausbauszenario 25 in Stunden pro Jahr. Hohe Volllaststunden wirken sich direkt auf die Anlagenauslastung und spezifische Gestehungskosten aus.

3

Nähe zur geplanten H2-Transportinfrastruktur — AquaDuctus (Gewichtung: 35 %)

Entfernung zum nächstgelegenen H2-geeigneten Pipelinekorridor (AquaDuctus) in Kilometern. Höchste Gewichtung, da die Nähe zur geplanten H2-Transportinfrastruktur wesentlichen Einfluss auf Anbindungskosten, Realisierungsrisiken und die Einbindung in ein übergeordnetes Offshore-Wasserstoffsystem hat.

4

Entfernung zur Service-Infrastruktur (Gewichtung: 5 %)

Die Entfernung zum nächsten Infrastrukturhafen via gängiger Schifffahrtsrouten (Esbjerg, Wilhelmshaven) in Kilometern. Kürzere Distanzen reduzieren Reisezeiten und erhöhen die operative Verfügbarkeit von Personal und Ersatzteilen.

5

Wassertiefe und Gründungskosten (Gewichtung: 5 %)

Die Wassertiefe der unterschiedlichen Gebiete und ihr Einfluss auf die Gründung der Plattformen. Mit zunehmender Wassertiefe steigen die Anforderungen an Gründung, Installation und Betrieb der Offshore-Infrastruktur.

Bewertung und Ranking

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in der relativen Eignung der untersuchten Flächen für die Offshore-Wasserstoffproduktion. Maßgeblich sind vor allem die hoch gewichteten Kriterien: abgeregelte Nähe zu AquaDuctus und Windenergieerträge. Flächen mit hohen Werten in beiden Kriterien erreichen die besten Gesamtbewertungen.

Die höchste Eignung weisen die Flächen des Gebiets N-19 auf. N-19.1 und N-19.2 erreichen mit jeweils 4,4 Punkten die höchsten Gesamtbewertungen, gefolgt von N-19.3 und N-19.4 mit jeweils 4,0 Punkten. Ausschlaggebend sind die sehr hohen Werte beim Systemischen Nutzen, den Kriterien 1 und 2. Die Gebiete N-19 verbinden hohe erwartete Windenergieerträge mit einem hohen Potenzial zur Nutzung ansonsten abgeregelter Energiemengen und weisen damit den größten systemischen und energiewirtschaftlichen Mehrwert im untersuchten Flächenkollektiv auf. Gleichzeitig sind sie in durchschnittlicher Nähe zur AquaDuctus Pipeline.

Eine mittlere Eignung zeigen insbesondere N-14.3 bis N-14.4, N-16.5 bis N-16.8 sowie N-17.2 bis N-17.4. Die Referenzfläche SEN-1 erreicht mit 2,5 Punkten gemeinsam mit den Flächen N-16.1 und N-16.2 die niedrigste Gesamtbewertung — sie verfügt zwar über eine kurze Pipelineanbindung, erzielt jedoch bei den hoch gewichteten Kriterien nur die niedrigsten Punktwerte.

Fazit und regulatorische Schlussfolgerungen

Die Studie zeigt, dass die untersuchten Flächen der Zonen 4 und 5 in der deutschen AWZ der Nordsee unterschiedliche Eignungspotenziale für eine zentrale Offshore-Wasserstoffproduktion aufweisen. Aus den Ergebnissen ergibt sich der fachliche Hinweis, die bestbewerteten Flächen in künftigen FEP- und NEP-Prozessen mit Blick auf eine mögliche Offshore-Wasserstoffnutzung frühzeitig mitzudenken.

Für künftige Planungs- und Konsultationsprozesse liefern die Ergebnisse fachliche Hinweise, welche Flächen mit Blick auf eine mögliche wasserstoffbezogene Nutzung vertieft geprüft werden könnten. Neben den bestbewerteten N-19-Flächen sollten dabei Wechselwirkungen mit Offshore-Wind-Ausbauzielen, Stromnetzanbindung, Raumordnung, Umweltbelangen, Schifffahrt, militärischer Nutzung und der Entwicklung einer H2-Transportinfrastruktur transparent berücksichtigt werden.

Die Studie ersetzt keine technische Machbarkeitsstudie, keine Detailplanung einer Elektrolyseplattform und keine Wirtschaftlichkeitsanalyse eines konkreten Projekts. Ziel ist der relative Vergleich ausgewählter Flächen und die Ableitung von Hinweisen für künftige FEP- und NEP-Prozesse.

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